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Bruxismus: Was die neue Leitlinie für Sie bedeutet

Bruxismus ist das unbewusste Pressen oder Knirschen der Zähne, tagsüber oder nachts, oft ohne dass die Betroffenen es selbst merken. Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGFDT) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) haben ihre S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Bruxismus" aktualisiert; die neue Fassung trägt den Stand Januar 2026. Liebe Patienten, in diesem Artikel schauen wir uns mit Hilfe der neuen Leitlinie an, was Bruxismus ist, woran Sie ihn erkennen und was dagegen hilft. Diejenigen unter Ihnen, die nicht unbedingt Leitlinien pauken wollen und jetzt schon etwas ungeduldig sind und direkt wissen wollen, was gegen Bruxismus hilft, springen direkt zum Abschnitt „Was hilft gegen Bruxismus?".

Woran merke ich, dass ich knirsche oder presse?

Umgangssprachlich kennt jeder die Redewendung „die Zähne zusammenbeißen". Den meisten Menschen ist aber nicht bewusst, dass sich die Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer im entspannten Zustand gar nicht berühren. Wenn man zum Beispiel die Lippen befeuchtet oder schluckt, nimmt der Unterkiefer zum Oberkiefer eine individuelle Position ein, ganz ohne Zahnkontakt. Wir müssen den Unterkiefer durch aktive Muskelanstrengung erst an den Oberkiefer heranführen. Für Patienten, die knirschen oder pressen, fühlt sich die eingenommene Kontaktposition der Zähne dagegen wie ihre normale Position an. Wie lange diese Position gehalten wird und zu welcher Tageszeit, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Die Leitlinie unterscheidet dabei zwischen Schlafbruxismus (SB) und Wachbruxismus (WB) und stellt klar: Ein gewisses Maß an Kaumuskelaktivität, tags wie nachts, ist bei gesunden Menschen normal, also physiologisch.

Welche Formen von Bruxismus gibt es?

Man unterscheidet außerdem nach der Ursache und nach der Art der Muskelaktivität.

Beim Primärbruxismus lässt sich kein erkennbarer Grund, Auslöser oder Vorerkrankung feststellen. Beim Sekundärbruxismus liegt eine Vorerkrankung zugrunde, oder er entsteht als Nebenwirkung von Medikamenten, durch psychotrope Substanzen wie Nikotin und Alkohol oder als Folge einer Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Nach der Muskelaktivität unterscheidet man tonischen Bruxismus, also anhaltende Muskelkontraktionen von mehr als zwei Sekunden Dauer, von phasischem Bruxismus: kurzen, wiederholten Kontraktionen von unter zwei Sekunden Dauer.

Wer ist betroffen?

Bruxismus beginnt mit dem Durchbruch der ersten Zähne und findet sich bis ins hohe Alter. Am häufigsten tritt er bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und nimmt danach wieder ab. Laut Leitlinie ist der Zusammenhang zwischen Bruxismus und Geschlecht bisher nicht eindeutig geklärt: Studien kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen. Klarer ist dagegen ein anderer Punkt: Bruxismus im Kindesalter erhöht das Risiko, auch als Erwachsener zu knirschen oder zu pressen.

Wie macht sich Bruxismus bemerkbar?

Die ständige Aktivität der Kaumuskulatur führt zu Verspannungen oder Schmerzen im Kopf-Hals-Bereich. Betroffen sein können die Kiefergelenke, die Muskulatur oder die Zähne, tagsüber oder nachts. Nachts ist das Knirschen naturgemäß schwer selbst zu bemerken. Manche Patienten berichten aber, dass sich der Unterkiefer morgens für ein paar Minuten schwer anfühlt, andere erfahren erst durch Angehörige vom nächtlichen Knirschen oder Knacken der Kiefergelenke.

Bei der Untersuchung in der Zahnarztpraxis gibt es viele Indizien für Bruxismus: eine ausgeprägte Wangenmuskulatur, weißliche Abdrucklinien in der Wangenschleimhaut, Schlifffacetten an den Zähnen sowie Risse und Schäden an Zähnen, Füllungen und Kronen.

Was sind die Ursachen?

Die genauen physiologischen Ursachen für Bruxismus sind noch nicht vollständig geklärt und Gegenstand weiterer Forschung. Nach aktuellem Kenntnisstand spielen genetische Faktoren eine größere Rolle als bislang angenommen: Zwillingsstudien zeigen einen deutlichen erblichen Anteil, auch Störungen im Bereich der Neurotransmitter oder im Hirnstamm werden diskutiert. Auch ein Zusammenhang zwischen emotionalem Stress, bei Kindern wie bei Erwachsenen, und Bruxismus lässt sich zeigen. Psychotrope Substanzen wie Nikotin, Alkohol oder bestimmte Medikamente können Bruxismus ebenfalls auslösen oder begünstigen, ebenso Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen, eine Refluxerkrankung oder intensiver Leistungssport.

Ein Punkt hat sich mit der neuen Leitlinie deutlich geändert. Es geht um die Okklusion, also darum, wie die Zähne von Unterkiefer und Oberkiefer aufeinandertreffen.

Ein nicht perfekter Biss gilt heute nicht mehr als Ursache von Bruxismus.

Frühere Annahmen zum Zusammenhang von Biss und Bruxismus sind damit überholt.

Wie findet der Zahnarzt heraus, ob ich betroffen bin?

Den Einstieg in die Diagnostik bilden Fragebögen der DGFDT und die klinische Untersuchung in der Praxis; beide zeigen erste Tendenzen. Wer es genauer wissen möchte, kann sich im Schlaflabor per polysomnographischer Untersuchung Unterkieferbewegungen und Knirschgeräusche aufzeichnen lassen. Als Alternativen gibt es tragbare EMG-Geräte (Elektromyographie) zur Messung der Muskelaktivität, Schienen mit Farbskala, die das Abriebmuster sichtbar machen, sowie die App-gestützte Selbstbeobachtung.

Verursacht Bruxismus starke Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur, der Kiefergelenke oder eine Funktionsstörung der Okklusion, spricht man von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), einem eigenen Krankheitsbild, dem wir in einem späteren Beitrag mehr Raum geben.

Was hilft gegen Bruxismus?

Die Basis jeder Behandlung ist die Aufklärung: Der Patient muss über das Krankheitsbild informiert werden, denn viele nehmen die permanente Muskelanspannung gar nicht mehr bewusst wahr. Ein guter erster Schritt ist die Selbstbeobachtung im Alltag. Kleben Sie sich farbige Aufkleber an Orte, an denen Sie sich häufig aufhalten, etwa im Büro oder im Auto. Das erinnert Sie immer wieder daran. Bei stressbedingtem Bruxismus helfen zusätzlich Entspannungs- und Atemübungen. Stellen Sie sich doch die Fragen: Wie fühlt sich meine Gesichtsmuskulatur gerade an? Wie fühlt sich meine Stirn-, Hals- und Wangenmuskulatur gerade an? Was passiert, wenn ich meine Lippen anfeuchte oder eine Schluckbewegung vollziehe? Wo befindet sich mein Unterkiefer dann? Aber auch die Reduktion von Risikofaktoren wie Schlafstörungen oder Nikotin sollte erwogen werden.

Die direkte zahnärztliche Behandlung ist die Schienentherapie. Sie schützt Zähne, Kiefergelenk und Zahnersatz und kann die Muskelaktivität reduzieren. Es gibt verschiedene Varianten, von der klassischen Michigan-Schiene über die JIG-Schiene bis zu bimaxillären Schienen, in weichem, thermoplastischem oder hartem Material. Bei Kindern wird die Schienentherapie nur eng begrenzt und in der Phase des Wechselgebisses auf wenige Monate reduziert eingesetzt.

Häufig ergänzt Physiotherapie die Schienentherapie, mit physikalischen Maßnahmen wie warmen Rollen, Ultraschall oder Eis. Auch die Injektion von Botulinumtoxin in den betroffenen Muskel kann für drei bis sechs Monate die Muskelaktivität reduzieren. Beim Biofeedbackverfahren macht ein tragbares Gerät den Patienten per akustischem Signal auf die eigene Muskelaktivität aufmerksam.

Wie Sie sehen, ist Bruxismus ein komplexes Thema ohne einen einzigen Fahrplan. Die passende Behandlung finden wir gemeinsam, individuell für Sie und Ihre Situation. Ich hoffe, dieser Beitrag hilft Ihnen, das Knirschen und Pressen besser zu verstehen und einzuordnen.

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGFDT), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Bruxismus", AWMF-Registernummer 083-027, Version 2.1, Stand Januar 2026, gültig bis Januar 2031. register.awmf.org
  2. DGZMK. Diagnostik und Behandlung des Bruxismus (S3), Bekanntmachung der Aktualisierung am 06.05.2026, Erstfassung von 2019. dgzmk.de
  3. zm-online. Update Bruxismus-Leitlinie: Das ist neu!, 01.07.2026, Zusammenfassung der Änderungen gegenüber der Fassung von 2019. zm-online.de

Stand: August 2026

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Porträt von Johannes Fernandes
Geschrieben vonJohannes FernandesZahnarztpraxis Castell

Der Entwurf dieses Beitrags entstand mit KI-Unterstützung (Ursprungstext: Gemini Flash 3.5 Lite; Recherche, Quellenprüfung und Überarbeitung: Claude Sonnet 5) und wurde von Johannes Fernandes fachlich geprüft, überarbeitet und verantwortet. Wie dieser Blog entsteht